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„Kämpfer gegen Kinderarmut“

Die Kinderbrücke Allgäu gibt es seit 25 Jahren. Über fünf Millionen Euro hat der Verein seitdem an Hilfen ausgezahlt und in Projekte gesteckt. Wie Familien und Kinder davon profitieren.

Allgäu. Das elfjährige Mädchen möchte Klavierspielen lernen. Es lebt in einem Kinderheim. Das knappe monatliche Budget reicht für die Kosten aber nicht aus. Damit die Elfjährige trotzdem das Instrument lernen kann, sprang der Verein Kinderbrücke Allgäu ein und übernahm Kosten. Das ist eines von vielen Beispielen, die der Verein auf seiner Homepage auflistet. Seit 25 Jahren hilft er bedürftigen und in Not geratenen Kindern und Familien in der Region. Der Verein sorgt dafür, dass Ausflüge möglich werden, oder unterstützt bei den Kosten für die Klassenfahrt.

Vereinsvorsitzende Simone Burk-Seitz bestätigt, worauf auch Soziale Dienste in Deutschland immer wieder hinweisen: Armut sei ein wachsendes Problem in Deutschland. „Ich kann das nur unterstreichen“, sagt die 65-jährige Oberallgäuerin. Vor allem in der letzten Zeit wüssten viele nicht, wie sie Benzin, die Stromrechnung oder die Heizkosten bezahlen sollen.

Es gebe in Deutschland zwar ein funktionierendes soziales Netz. Doch immer wieder fielen Kinder und Familien hindurch – auch im Allgäu, heißt es beim Verein. Zum Beispiel könnten Unglücksfälle „aus heiterem Himmel hereinbrechen und Betroffene überfordern“, sagt Simone Burk-Seitz. „Es kann auch passieren, dass Sozialleistungen beantragen müssen, dass die Bearbeitung der Anträge aber länger dauert, als das Geld reicht“, erläutert Burk-Seitz, die seit der Gründung 2001 im Verein tätig ist.

Anfangs war das Ziel, Hilfe in akuten Fällen für Kinder im Allgäu zu leisten und Allgäuer Organisationen zu fördern, die Kinderhilfe im In- und Ausland leisten. Heute geht die Arbeit des Vereins darüber hinaus, berichtet Burk-Seitz. So werden neben den Einzelhilfen auch Präventions- und Bildungsprojekte vorangetrieben. Zum Beispiel der „Kids-Point“ in Memmingen, wo Kinder mit einem besonderen Förderbedarf während ihrer Grundschulzeit in einer kleinen, familienähnlichen Gruppe nach dem Unterricht versorgt, betreut und gefördert werden. Ein anderes Beispiel sei das KIWI-Projekt: Kinder, die in schwierigen Situationen sind, weil Eltern an psychischen Erkrankungen leiden, bekommen dort Unterstützung, sagt die 65-Jährige. Der Verein finanziert die notwendigen Personalkosten.

„Wir sehen uns als Kämpfer gegen Kinderarmut“, betont Burk-Seitz. Gleichzeitig will der Verein aber auch dafür sorgen, dass Kinder Zugang zu Bildung haben, damit möglichst alle die gleichen Chancen haben.

Die Kinderbrücke arbeitet mit anderen Organisationen, unter anderem mit der Caritas, der Diakonie, Pro Familia und der Katholischen Jugendfürsorge sowie Behörden zusammen. „Wir bekommen Anträge geschickt, in denen erläutert wird, warum zum Beispiel eine Familie aus Sicht der Organisation Unterstützung bräuchte“, erläutert Burk-Seitz und ergänzt: „Ist der Antrag bei uns angekommen, geht es häufig sehr schnell.“ Ein Komitee berät über die Unterstützung. Bis zu einer Summe von 1500 Euro können Burk-Seitz und ihre Kollegin aber direkt entscheiden. Dadurch sei eine schnelle, unbürokratische Hilfe möglich.

Seit der Gründung sind in Einzelhilfen und Projekte über fünf Millionen Euro geflossen, sagt die Vorsitzende. Spender sind Privatpersonen und Unternehmen. Ist die Hilfe auf den Weg gebracht, erreichen immer wieder Bilder und Danksagungen den Verein. Auf seiner Internetseite hat er einige veröffentlicht: Eines davon zeigt zwei Brüder, die „Schlagzeug lernen“. Durch die Unterstützung des Vereins ist ihnen das weiter möglich.

Bildunterschrift zum Foto:

Die Kinderbrücke Allgäu setzt sich unter anderem dafür ein, dass Kinder mit Blick auf die Bildung die gleichen Chancen haben. Seit 25 Jahren ist der Verein in der Region tätig und unterstützt Kinder und Familien, die in Not geraten sind.